Viele von Euch haben sicherlich mitbekommen, dass
im Jemen neun Menschen entführt wurden, darunter sieben Deutsche.
Heute erreichte mich die Nachricht, dass zwei dieser Deutschen an der gleichen Schule waren wie ich und jetzt im Sommer ein Praktikum als Krankenschwestern machten. Das Krankenhaus hat mittlerweile bestätigt, dass die beiden tatsächlich unter den Toten sind. Beruhigend ist jedoch zu wissen, dass sie jetzt beim Herrn sind!
Warum mir das gerade so schwer fällt einzuordnen:
Morgen Abend werde ich Bibelstunde in Neunkirchen-Salchendorf halten. Der Text der mir dafür genannt wurde ist Mt 5,43-48. Luther hat es mit
"Von der Feindesliebe" überschrieben. Wer über diesen Text mehr hören möchte, sollte morgen Abend kommen. Aber hier der Vers, der mich gerad jetzt sehr packt:
"Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen," (V. 44)
Wie sieht es jetzt aus? Gerade mit diesem Hintergrund? Geschwister, die verfolgt wurden, die Entführt wurden, sogar getötet und verstümmelt wurden. Ich muss sagen, mir fällt es schwer. Nicht nur, mich für morgen vorzubereiten, sondern auch die Bibel zu zitieren, die Feinde zu lieben und für sie zu beten. Wie geht es den Eltern? Wenn es meine Kinder wären, könnte ich für die Mörder beten? Für ihre Bekehrung? Für Gottes Gnade? Für Vergebung für sie? Ich befürchte, ich werde noch lange an dieser Bibelarbeit sitzen, denn mich hat der Text jetzt hart erwischt. Der Text sagt, dass Gott, unser Vater in dieser Liebe unser Vorbild ist. Er liebt alle Menschen. Und tatsächlich, sein Sohn wurde genau so umgebracht. Von uns Menschen. Durch unsere Sünden - für unsere Sünden. Doch seine Liebe gilt dennoch allen Menschen.
Liebt eure Feinde, bittet für eure Verfolger - warum? Zu welchem Zweck? -
"damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel." (V. 45) "Ganz der Vater", das hört man erst, wenn es tatsächlich Parallelen zwischen Vater und Sohn gibt. Widerspiegeln wir unseren Vater?